Medizinstudium · Pflegepraktikum

Pflegepraktikum – Tag 11

Ehemals passwortgeschützter Artikel – Sicher, dass du es lesen möchtest?

Übergabe, Start erster Rundgang, und plötzlich schießt die Essenschwester in das Zimmer in dem wir gerade waren, dass wir mal zügig nach nebenan kommen sollen. Kaum dort angekommen, sahen wir einen präfinalen Patienten. Der zugehörige Arzt war der, bei dem ich mitlaufen wollte und gerade in der Umkleide. Also noch kurz warten, und dann direkt, ohne Umweg über das Arztzimmer in das Patientenzimmer lotsen. Den Bettnachbarn hatten wir derweil ins Nachbarzimmer geschoben. Dort war ein Platz frei, da in der Nacht ein Patient eine Gehirnblutung hatte. Es wurde entschieden keine Rea+Intensivmaßnahmen* durchzuführen, und die Angehörigen zu informieren. Die Pflegerunde ging weiter, ich war mit meiner Nachbarin im aufwändigsten Bereich, die meisten+schwersten Pflegefälle (3 PKMS), im Vergleich zu den anderen Bereichen. Während des Frühstücks verstarb der Patient, nach dem Frühstück half ich beim frisch machen und beim Zimmer für die Angehörigen herrichten. „Meine“ Schwester hatte vorneweg aber noch gefragt, ob das für mich okay ist da rein zu gehen, genauso wie auch schon zuvor, als klar war, das der präfinal ist. Direkt vom Zimmer herrichten bin ich in die Visite gestartet, gerade noch beim reingehen ins erste Zimmer erwischt. Der Arzt, eine ganz frisch fertig gewordene Ärztin und ich. Es hat viel Spaß gemacht und ich durfte ganz viel neues Lernen. Als wir mit der Visite durch waren ging es auch schon zur Leichenschau, ich war überrascht, wie sich die Leichenflecken anfühlen, und durfte beim Totenschein ausfüllen mithelfen. Die Kausalkette aufstellen mag ich, und war auch zum Glück sehr eindeutig. Alkoholismus+Drogen -> chron. Leberzirrhose + Hep B+C -> hepatisches Koma -> Tod.
Was ich auch toll fand war, dass ich zu dem Angehörigengespräch mit rein durfte. Auch da habe ich mir einiges gemerkt, und werde mir später einiges abgucken, da das echt ein Punkt war, vor dem ich später beim Arzt sein Angst hatte. Jetzt nicht mehr. Es ist möglich und gut auf die Art wie ich mir das vorstelle.
Der Vormittag ging schnell rum, und so kam es nicht mehr zum Pleurapunktion. Da ich aber Lust hatte da zuzusehen bin ich noch 1,5h länger geblieben. Letztendlich war ich dabei die einzige Kraft von der pflegerischen Seite und musste feststellen, dass wenn man einen ungünstigen Stand hat, und dann einen faulen 100kg-Menschen halten muss, es sehr anstrengend werden kann. Noch dazu war der Herr so lieb, sich immer ins Bett fallen lassen zu wollen und hat gegen mich gearbeitet. Zum Glück hab ich ihn immerhin fest genug gehalten bekommen, sodass es ein Treffer war. Zwischenzeitlich haben meine Arme vor Anstrengung angefangen zu zittern und ich hatte echt Mühe mich auf den Beinen zu halten. Von dem her war ich sehr froh, als alles fertig war. Ich lerne daraus: Erst mal selbst einen guten Stand suchen, und dann anfangen den Patienten festzuhalten.

Ich fand den Tag einfach nur extrem interessant, und habe so viel Wissen aufgesaugt wie irgendwie möglich.

*Hätte nur noch wenige Minuten bis Stunden den Prozess aufgehalten, der Ammoniak ging einfach nicht mehr runter.

Tag 1, Tag 2, Tag 3-5, Tag 9, Tag 10, Tag 12Tag 13, Tag 14

 

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12 Kommentare zu „Pflegepraktikum – Tag 11

  1. Klingt echt nach einem super lehrreichen Tag!!
    Und den Kampf mit dem 100Kg Menschen, den hätte sicher so mancher verloren. 😉

    So schlimm finde ich den Beitrag übrigens nicht, der Tod gehört zum Leben und wer mir dem Leben spielt (Alki / Drogen), der muss damit auch rechnen. So hart wie es klingt.

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  2. Ich finde den Artikel jetzt auch nicht schlimm. Da habe ich ganz ehrlich schon schlimmeres, tiefer gehendes ohne Passwortschutz gelesen 🙂
    Du hast halt eine sehr sachliche Art darüber zu schreiben. Unter Umständen könnte das – wirkt auf mich nicht so! – kühl rüber kommen. Aber ich denke nicht, dass dir das alles am Hintern vorbei geht (sonst hättest ja auch gar nicht überlegt ob du es machst) und von deinem Standpunkt aus (Lerneffekt) war es wohl wirklich ein sehr guter Tag. 🙂

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  3. Ich habe den Beitrag mit Passwortschutz versehen, nachdem mein Freund, der medizinisch eigentlich alles verträgt, gesagt hat er will nichts mehr von dem Tag hören.
    Am A**** vorbei gehen tut es mir nicht. Nur wirklich berühren tut es mich auch nicht. Ich nehme eigentlich nur so persönliche Sachen wie von Tag 13 mit nach Hause.

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