Medizinstudium · OP

Mein erstes Mal… im OP!

Muss ich jetzt warnen, dass die sich dieser Blog-Beitrag in OP-Nähe abspielt? Und jeder der das nicht umbedingt verträgt auch nicht lesen sollte.

Ich hatte also das erste mal das Vergnügen im OP zu sein. Als Patientin musste ich zum Glück noch nie, und auch so bin ich noch nie näher dran gewesen als die Patientenschleuse im Pflegepraktikum.

Wie es dazu kam, dass ich im OP gelandet bin:

Ich sollte vom Kurs „Berufsfelderkundung“ aus eine 4-Stündige Hospitation in einem ärztlichen Tätigkeitsfeld machen und darüber einen ewig langen Bericht schreiben, vor allem über den dort beobachteten Arzt-Patienten-Kontakt.

Ich fand dafür die Chirurgische Sprechstunde ganz geeignet, die aber weitestgehend ausgefallen ist. Also was anderes. OP? Stationsarbeit?

Ich entschied mich für den OP, Station kannte ich aus dem Pflegepraktikum schon etwas mehr und durfte da ja auch manchmal bei den Ärzten mitlaufen. Ich hatte jedoch eine gewaltige Menge Respekt davor, aus meiner Leiche kommt ja nicht mal eben Blut raus, oder sonst was. Oder es gibt mir unbekannte Gerüche, und, und, und. Genügend zum sich darüber Sorgen machen, auch wenn einen Chirurgie richtig  interessiert.

Der Papierkram (Namensschild, Schweigepflicht, Essensmarke, etc) kam als erstes dran, und hat sich noch unnötig in die Länge gezogen, da ich ja auch noch unplanmäßig den speziellen Hygiene-Laufzettel für den OP gebraucht habe.

Danach ging es zur Visite. Schätzungsweise 25 Patienten waren in geplanten 45, tatsächlichen 35-40 min dran. Ich musste mich erst mal an die chirurgische Visite gewöhnen, nachdem ich bis dahin nur die Internsitischen Marathonvisiten kannte. Ich hab mal ein paar Unterschiede aufgelistet:

  • Die Assistenzärzte kannten alle Diagnosen und Bildgebungen und was weis ich noch auswendig. Internistisch= alles nachsehen müssen in der Zettelwirtschaft/Akte/Befundmappe.
  • Dann ging es immer mit den beiden Stationsärzten und einem Oberarzt durch die Gegend. Und der Bereichsschwester und teilweise Pflegeschüler/Praktikanten. Als letzte lief noch eine Sekretärin mit.

Am ungewohntesten war die neue Reihenfolge, bzw. wo ich mich einordnen musste. Nämlich nach den Assistenzärzten und vor dem Pflegepersonal! Aus dem Pflegepraktikum war ich es noch gewohnt immer als Letzte unterwegs zu sein… Einmal hab ich den „Einsatz“ etwas verpasst, und schon steht die Schwester neben der offenen Tür, sieht mich auffordernd an und wartet, dass ich rein gehe. Ups.

Ich verstand auch nahezu alles über was sich unterhalten wurde! Beginnenden Anatomiekentnissen sei Dank…

Durch die schnelle Visite gab es noch eine kleine Snackpause der Assistenzärzte, bevor es weiter in die Röntgendemo ging.

Das erschreckende ist: Es sind nur 2 Frauen in dem Raum. Eine davon bin ich. Dass es mehr Männer in der Chirurgie sein könnten, insbesondere in der Unfallchirurgie hab ich erartet. Dass es so extrem ist hätte ich nicht gedacht.

Bei der Röntgendemo bekomme ich mich recht gut orientiert. Wo ist was, wo befinden wir uns gerade im Körper. Ganz offensichtliche Sachen (Brüche) erkenne ich auch. Aber vieles bleibt im verborgenen, bzw ich weiss nicht mal wo ich anfangen sollte nach „Fehlern“ zu suchen.

Danach geht es auch schon in den OP-Bereich. An der Umkleide muss ich gleich die erste Hürde überwinden: Die Hose. Nachdem ich nicht die Kleinste bin sollte ich die richtige Beinlänge mit 2 Größen mehr als ich von der Weite her gebraucht hätte kompensieren. Nur das bedeutete zuppeln, bis es eng genug wurde. Und Hilfe von der Oberärztin…

Das Oberteil ging dann auch problemlos.

Schuhe gab es ungekennzeichnete in der richtigen Größe, jedoch hab ich es von vornherein so gemacht wie jeder andere: Ohne Henkel hintenrum. (Wurde drauf aufmerksam gemacht, durfte es aber so lassen :D)

Noch die Astronauten-Haube drauf, und Mundschutz umbinden, dann war das umziehen beendet. Ich durfte zwei Sachen feststellen: Erstens: Der Mundschutz im OP war deutlich angenehmer als der aus dem Krankepflegepraktikum mit den Isozimmern. Es ließ sich deutlich leichter atmen und war auch gebunden viel angenehmer statt mit dem komischen Gummi hinter den Ohren. Zweitens: Meine Frisur ist absolut OP-untauglich (um wenige mm zu kurz für einen Zopf).

Die ersten Strähnen kamen sehr schnell aus der Astronautenhaube raus, ich bekam dann den Tipp erst eine Schwesternhaube mit Gummibund zu nehmen, alle Haare runter zu stopfen und dann die Astronautenhaube obendrauf. Genialer Tipp. Und dass vom männlichen OP-Pfleger 😀

Dann ging es nach einer kurzen Hygieneeinweisung (nichts anfassen, wenn doch etwas steriles beührt, sofort Bescheid sagen, etc.) in den OP!!!

Und weil der Artikel so lang geworden ist kommt jetzt ein böser, böser Cliffhanger. (Sorry! In den nächsten Tagen dann…)

Teil 2

Teil 3

Advertisements

13 Kommentare zu „Mein erstes Mal… im OP!

  1. Das mit den Arbeitsgrößen ist immer so eine Sache. Aber das Problem habe ich auch. Ich musste dann eine Hose in L nehmen, in die ich aber zweimal reingepasst habe. Sah zwar beschissen aus, aber was solls. Die normalen gehen einfach zu schnell kaputt 😀

    Gefällt mir

  2. aaaahh super interessant! Ich kenn op’s ja nur von der anderen Seite, allerdings nichts chirurgisches sondern eher äh unten rum … schnell weiter schreiben bitte 😉

    lg
    angi

    Gefällt mir

  3. schöner Bericht und fieser Cliff 😉

    Jaja, diese erste Erfahrungen aus einem OP… die Klamotten passen – NIE! Mir sind alle außer L auch zu klein, aber in L passe ich dafür gefühlt vier Mal rein. Warum die Veranwortlichen immer denken man ist gleich fett, wenn man lange Beine hat. Und ein Tipp: die OTAs haben IMMER Recht (sie werden dich x Mal ermahnen und zurechtweisen, dass du angeblich wieder zu nahe an sterilem Bereich warst etc…)

    Aber wichtig: Hab Spass im OP! Ich bin auf die Fortsetzung gespannt 🙂

    Gefällt mir

    1. Hihi. Ich wurde noch nicht ermahnt, dass ich zu nah am sterilen Bereich war 😀
      Und so schlimm sah das mit der Kleidung dann im Endeffekt nicht aus. Auch wenn es am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig war mit Oberteil in der Hose. Immerhin war ich damit klar erkennbar den Unfallchirurgen zugeordnet, weder die OP-Pflege noch die Anästhesie hatte das Oberteil in der Hose, sondern drüber 😀
      Zählt „nicht mehr aus dem OP weg wollen“ als „Spaß gehabt“ an dem Tag?

      Gefällt mir

  4. Böser Cliffhanger. Hat es dir Spaß gemacht? Und was mich mich auch schon seit einer Weile frage: Wieso wollen (fast) alle Medizinstudenten die ich kenne Chirurg werden? Es gibt doch noch so viele andere interessante Fachrichtungen. Außerdem: Was ist ein OTA?

    Gefällt mir

    1. die wollen nur Chirurg werden, weil es das ist, was man mit Arztsein verbinden. Patienten aufschneiden und heilen. Bis sie dann merken, was dieser Beruf wirklich bedeutet (Belastung, Arbeitszeit…). Dann huschen die Damen in die Innere Medizin, Anästhesie, Gynäkologie (da kann man wenigstens noch bisschen operieren) oder Pädiatrie (ach diese süßen Kinder). 😉

      OTA = operationstechnischer Assistent/in – das sind die, die den OP schmeißen, die Instrumente kennen und anreichen und ohne die da gar nichts laufen würde.
      (hab das mal für kiki übernommen zu erklären 😉 )

      Gefällt mir

    2. Jep, mir hat der Tag Spaß gemacht! Warum gerade Unfallchirurgie… Mich begeistert es einfach. Ich hab dabei ein so gutes Bauchgefühl wie bei sonst keinem Fachbereich. Ausserdem: Irgendeine Sache „nervt“ mich bei allen anderen Fachbereichen. Dass ich mir diese dann nur noch schwer vorstellen kann. Bei Chirurgie gibts zwar auch eine, aber die ist deutlich kleiner/lösbarer. Mal gucken, wie es später aussieht. 😉

      Gefällt mir

  5. Das erste mal im OP ist schon echt spannend und alles ist neu und außergewöhnlich. Kann mich noch gut an mein erstes Praktikum bei den Allgemeinchirurgen erinnern. Damals wurde ich wie eine Studentin behandelt, obwohl ich noch Schülerin war.
    Chirurgie ist schon faszinierend, besonders wenn man selbst steril mit am Tisch steht.
    Bin gespannt, was du noch alles erleben durftest!

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.