Schwangerschaft

Geburtsbericht Teil 6

Das ist ein Geburtsbericht. So wie es war, ohne etwas ausgespart zu haben. Ich fand es insgesamt eine schöne Geburt, jeder kann es aber anders sehen.

geschrieben am 10.1.16

Die Hebamme kam noch mal rein, wollte vorsichtshalber noch mal nach dem Muttermund tasten, bevor ich schlafe. Beim Tasten machte sie ein Gesicht, als würde irgendwas so überhaupt nicht stimmen.
Ich frage, ob alles okay ist, was denn los ist.
Sie guckt konzentriert, tastet nochmal.
Ich mache mir Sorgen. Endlich erlöste sie mich von dem Schweigen und sagt, dass ich jetzt sofort meinen Mann anrufe, sie aber noch wissen will, wie es unter der nächsten Wehe aussieht. Kurz darauf ergänzte sie „Der Muttermund ist bei 8 cm.“

Sie ist dann trotzdem vor der nächsten Wehe wieder auf dem Flur, war wegen irgendwas kurz wieder drinnen, ich rief E. an. Sagte irgendwas von „Schwing deinen Arsch hierher, ich bin bei 8 cm, die kleine kommt“, ganz genau weiß ich es nicht mehr. Laut Anrufliste des Handys war das um 1:03 Uhr.
Als meine Hebamme das nächste mal rein kommt, frage ich, ob es vielleicht in der Wanne angenehmer sein könnte – für Schmerzmittel ist es vermutlich ja zu spät. Sie stimmt den zu und stellt das Wasser an. Ich zog mich aus und tapste rüber zur Geburtsbadewanne, stand noch ein oder zwei Wehen davor, weil ich es nicht schaffte mein Bein über den Rand zu heben bzw. mir es gerade zu unsicher vom Stand war. Die Hebamme trieb mich an reinzugehen und verließ von da an glaube ich nicht mehr das Zimmer und zug sich einen ewig langen Handschuh bis über den Ellenbogen an. Vielleicht auch einen zweiten? Ich weiß es nicht mehr.

Das Wasser war extrem angenehm. Ich legte mich auf die Seite und hielt mich an einem Griff fest, einatmen über Wasser, ausatmen unter Wasser. Die meiste Zeit hatte ich den Kopf unter Wasser. Die Hebamme war dadurch extrem irritiert, wie sie im Nachhinein erzählte, für mich war es genau richtig, ich war wieder in meinem Tritt, kam mit den Wehen zurecht, ganz anders als zuvor. Wasser ist einfach mein Wohlfühl-Element, Aquaholic durch und durch.
E. kam, gegen 1:40 Uhr und streichelte meine Schulter, ich konnte gar keine Berührung haben, sodass er einfach nur an meinem Kopf saß. Als ich dann halb sitzend/liegend in der Wanne war, streichelte er meinen Kopf, am liebsten wär ich nach wie vor ohne Berührung gewesen, es hat mich aber nicht stark genug gestört, als dass ich was gesagt hätte.
Kurz nach E. kam auch der Gyn-Chefarzt, er sollte für die Hebamme die Nabelklemme mit Zubehör holen, fand diese aber nicht auf Anhieb, sodass er dorthin dirigiert werden musste.
Irgendwann sollte ich mal in den Vierfüßler in der Wanne gehen, das war mir gar nicht recht, ich wusste nichts mit mir anzufangen, also legte ich mich wieder auf die Seite, danach der zweite Versuch mich von der Seite wegzulocken: Ich sollte mich in der Wanne hinsetzen/hinlegen (oder wie sich das nennt). Das war mir zwar nicht so lieb, wie das seitlich zusammengekruschelte liegen, aber es war okay.
Der Pressdruck kam, ich musste immer wieder mal mitpressen, konnte nichts dagegen tun. Hebamme hat mich zum Glück machen lassen, hat teilweise Anweisungen zum atmen gegeben und den CTG Knopf unter Wasser an den Bauch gehalten. Ich durfte auch immer wieder mal fühlen, wie weit das Köpfchen inzwischen ist. Irgendwie fühle es sich ganz verschrumpelt an.
Irgendwann musste ich auch permanent pressen, ich konnte einfach nicht anders, doch effektiv war es nur bei einer Wehe. Die Schmerzen waren nicht schlimm, schlimmer war das Brennen und das Gefühl, dass es mich innerlich zerreist. Pressen zu müssen, aber durch das pressen das brennen schlimmer zu machen – in dem Moment habe ich mich verflucht, warum die Pille nicht gewirkt habe, warum ich ne Abtreibung von vornherein ausgeschlossen hatte, warum dieses doofe Kind in mir ist. Irgendwann war der Kopf draussen, es sehr aus wie ein Puppenkopf zwischen meinen Beinen. Känguru war der Meinung in der 1. Vorderhauptslage auf die Welt zu kommen, eine kleine Sternenguckerin. Noch etwas pressen und schon schwamm der kleine Körper durchs Wasser. Ich habe sie selbst aus dem Wasser genommen und auf mich gelegt, sie hat sofort den Kopf gehoben und sich umgeguckt. Um genau 2 Uhr war das. Kaum das sie draussen war, war mir klar „Ich will noch mehr Kinder“ und hätte sofort wieder eine Geburt mitgemacht. Das hält sich auch nach wie vor 😉

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