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Ohne Apotheke*r fehlt dir was… Blogparade von Pharmama

Kurz vor knapp komme ich doch noch zum tippen – denn an der Blogparade von Pharmama will ich nämlich sehr, sehr gerne teilnehmen!

Ohne Apotheker /-innen würde mir wirklich was fehlen – meine Eltern, meine Tante, meine Patentante. Ich komme aus einer apothekerreichen Familie und war schon immer viel in der Apotheke. Bin also ein richtiges Apothekenkind. Ein einzelnes Ereignis kann ich nicht benennen, was mich nachhaltig beeindruckt hat, von dem her werden es ganz viele mehr oder weniger kurze, was man als Kind von zwei Apothekern so mitbekommt. 

  • Als ich richtig klein war, wusste ich immer sofort, wo die Traubenzucker versteckt sind. Auf einem hohen Regal in der Rezeptur? Hocker hinschieben und hinklettern. In der Kitteltasche meiner Eltern? Auf den Arm genommen werden und mal schnell in die Kitteltasche der Eltern greifen. Irgendwann haben es meine Eltern aufgegeben und die Traubenzucker waren in einer Dose in „Kinderhöhe“. Ich war übrigens lange nicht in der Lage, Traubenzucker-Tütchen alleine aufzubekommen, meine Eltern wollten mir die auch nicht immer aufmachen. So kaute ich so lange auf den Tütchen rum, bis sie mürbe wurden und zutschelte dann das zerbröselte und aufgeweichte Traumenzuckerstück raus. Bäh.
  • Als ich klein war, mochte ich es alle Schubladen aufzuziehen und dann zu sehen, wie sie nach und nach zurollten, abfedertn, wieder etwas öffneten, schlossen, etwas weniger öffneten etc. Nachdem ich so einen großen Schrank mit 10 Säulen à 15(?) Schubladen nicht gleichzeitig öffnen konnte und sowieso nicht groß genug für die oberem war, habe ich versucht schöne Muster und Wellen zu kreieren. Fanden meine Eltern nur immer doof, so kamen sie immer Schlecht an die Medikamente, wenn ein Kunde was brauchte. Alternativ räumte ich auch Medikamente ein, so lernt man richtig schnell das Alphabet. Am Anfang sang ich immer noch heimlich das ABC-Lied, um zu wissen, ob ich jetzt vorher oder dahinter im Alphabet suchen muss. Durch das vergleichem der PZN (Pharmazentralnummer, so etwas wie die ISBN, nur für Medikamente) war das auch sicher. 
  • Wir (meine Schwestern und ich) spielten nie Kaufmannsladen oder mit einer Spielküche, wir spielten immer Apotheke. Traubenzucker wurden in Tüten verpackt, diese gut beschriftet und teilweise mit Abholzetteln versehen. Heute findet man immernoch Traubenzuckerverstecke im Haus meiner Eltern. Später wurden auch was im Computer verbucht, da musste man aber immer aufpassen, dass die Bestände am Ende stimmten. Im Computer bin ich inzwischen fitter als manch eine Angestellte. Nur mein Vater kennt noch mehr Tricks, von dem her bin ich auch telefonisches Backup, wenn mein Vater nicht erreichbar ist und der Computer nicht will. 
  • Besonders beliebt war es auch, Dekoartikel und Apothekendinge ins Kinderzimmer zu bekommen. Kuscheltiere, Puppenbetten, Bälle, Körbe etc. waren immer beliebt. Heute ist mein Bakontisch mit 6 Stühlen auch so ein Dekoüberbleibsel. Schön ist es auch, wenn man zu Depot gehen kann und sichso richtig austoben, 6 Schaufenster wollen regelmäßig und zu den Jahreszeiten passend umdekoriert werden. Überhaupt: beim Dekorieren helfen ist einer der schönsten Dinge für mich, das war lange „Exklusivzeit“ für mich mit meiner Mutter. Die Angestellten haben das nämlich nicht zu ihrer Zufriedenheit gemacht, also machte sie es immer selber. Auch wenn es eine wirklich beliebte Arbeit schien, es gab diverse Anfragen, ob sie nicht mithelfen dürften.
  • Eine Schattenseite war, dass meine Eltern immer viel arbeiten mussten. Selbstständig bedeutet, dass man SELBST und STÄNDIG arbeitet. Manchmal waren wir mit in der Apotheke, das fanden wir immer schön. Aber oft mussten sie Abends weg, wenn wir schliefen und sind noch mal einige Stunden Rezepte kontrollieren gegangen. Die Apotheke liegt 5 Minuten vom Elternhaus entfernt, wir konnten jederzeit Anrufen, wenn was gewesen wäre aber so stand für mich irgendwann fest: Ich will nicht selbstständig sein. In den letzten Monaten ziehe ich es erst wieder eventuell in betracht, man wird mich aber vermutlich nie in einer Landarztpraxis wiederfinden. 
  • Als Kind war es ausserdem lustig, Angestellten streiche zu spielen. Gab leider immer Ärger 😦
  • Eine der mal mehr mal weniger beliebten Sachen waren Pharmavertreter. Gut daran: man durfte sich als Kind vorne in der Offizin aufhalten, sonst waren wir aus Datenschutzgründen in den Hintergrund verdammt. Nachteil: Diverse Pharmavertreter, von denen meine Eltern nichts kaufen wollten, witterten Chancen uns Kinder führ ihre Zwecke einzuspannen. Hat aber nicht funktioniert. Bei einem Vitamin-Vertreter war ich leider so doof drei mal hintereinander da zu sein, als er kam. Da gab es drei mal ekelhafte Vitamin-Kaubonbons zum testen, mehr oder weniger direkt in den Mund gestopft (und ich war so doof nicht nein zu sagen). Es macht aber auch Spaß zuzusehen, wie meine Eltern die Nervensägen wieder los wurden.
  • Auch interessant ir es immer wieder, wenn noch selbst Medikamente (Kapseln, Salben) hergestellt werden. Ganz schön aufwändig! Mache Medikamente gibt es aber nicht in der richtigen Dosierung, gerade schwerkranke Kinder brauchen oft eine spezielle Dosis die nicht handelsüblich ist. Man kann aber auch mit den Mitteln in einer Rezeptur Limonade selbst herstellen 😉
  • Heute ist immer noch viel Pharmazie im Alltag, was viele Fremde erst mal irritiert bzw. nicht verstanden wird, was jetzt getan werden muss. Beim gemeinsamen Kochen sagte meine Mutter z.B. mal zu meinem Ex, dass er auf den Siedverzug achten soll, was er überhaupt nicht verstanden hat und nicht wusste, was er machen soll. Ich übersetzte dann mal mit „rühr den Rotkohl um“. Auch Tischgespräche gehen regelmäßig um aktuelle gesundheitspolitische Themen und auch was Ärzte alles falsch machen können beim Rezept ausstellen etc.
  • Mein Studium wird übrigens auch von der Apotheke meiner Eltern finanziert, ich mache in den Semesterferien alles was so anfällt und baue die Hompage auf. Und wenn gerade Personal im Hintergrund ausfällt, kann ich den Job auch komplett machen, notfalls auch mit Känguru auf dem Arm. Heißt: Ich telefoniere, kümmere mich um die Warenwirtschaft, Bestellungen, sortiere Medikamente in Schubladen, Nachbestellungen zu Abholnummern und so weiter. Kunden bedienen darf ich mangels Pharmazeutischer Ausbildung nicht, bei Pharmsvertretern gehe ich trotzdem mit nach vorne hin – aus Interesse. Nur sollte man sich bei einigen NICHT als Medizinstudentin outen. 

Und vielleicht schaffe ich es ja, das Känguru auch zu einem „Apothekenkind“ zu machen – ich fand es insgesamt nämlich echt schön und profitiere immer noch davon.

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